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Bericht Seminar-Wochenende Hundewesen vom 25. + 26.04.2026

Für das Wochenende vom 25. und 26.04.2026 war das Seminarwochenende rund um die Themen Hundearbeit, Schweiss und Anschuss angesetzt. Ich wollte verschiedene Anspruchsgruppen des Vereins mit diesem Angebot bedienen: zum einen die allgemeine Jägerschaft mit dem Anschussseminar vom Samstag und zum anderen unsere hundeführenden Jäger, die ihren Hund aktiv auf Schweiss einarbeiten und führen wollen; diese sollten mit dem Schweisslehrgang bedient werden. In der letzten Vorstandssitzung 2025 wurde die Subvention für Mitglieder des PJV AR im Vorstand diskutiert und die reduzierte Teilnahmegebühr einstimmig beschlossen. Beide Seminare waren sehr schnell ausgebucht, was für ein grosses Interesse an der persönlichen Weiterbildung der Jägerschaft und Hundeführer im Verein spricht.


Aus meinem Umfeld konnte ich mit Uwe Steckroth einen absolut versierten Schweisshundeführer einer Schweisshundestation gewinnen (mit über 4'000 Nachsuchen in seinem Leben und seinen aktuellen Hunden: der 8-jährige Rüde «Odino» mit 1'250 Nachsuchen und sein 3-jähriger Rüde «Quequeck» mit 150 Nachsuchen). Neben seiner beeindruckenden Vita als Hundeführer und -ausbilder sowie -richter und der damit verbundenen fachlichen Expertise überzeugte Uwe auch als hochkarätiger Referent, der den jeweiligen morgendlichen Theorieteil stets sehr kurzweilig gestaltete und immer gespickt mit Erlebnissen aus seinem interessanten Schweisshundeführer-Alltag abrundete.


Samstag, 25.04.2026: Anschuss-Seminar

Am 25.04.2026 trafen sich zum Anschuss-Seminar 30 Teilnehmer in der hinteren Au, Schwellbrunn. Der Theoriesaal war vorbereitet, Kaffee und Gipfeli standen parat. Nach Uwes allgemeiner Vorstellung ging es im ersten Teil des Referates um das «Grundlagenwissen von der Schussabgabe bis zur Nachsuchenentscheidung» und im zweiten Teil nach der Kaffeepause um die Themen «Von der Anschussansprache bis zur erfolgreichen Nachsuche». Das bunt gemischte Publikum (vom gestandenen Waidmann über den Jungjäger bis hin zu den aktuellen Teilnehmern des Jagdlehrgangs, die kurz vor der Schiessprüfung stehen) folgte interessiert den Ausführungen des Profis. Es wurden Rückfragen gestellt und es gelang Uwe mühelos, für eine entspannte Atmosphäre im Saal zu sorgen.


Nach dem Mittagessen im Schützenhaus mit Bratwurst vom Grill und Bürli bereitete ich mit Uwe in der Zwischenzeit in der KD-Box die Anschüsse vor. Das von Silvan Eugster zur Verfügung gestellte Fallwild (herzlichen Dank an dieser Stelle für das äusserst unkomplizierte Liefern der Stücke und auch an Christoph Mehr, der mit der Tiefkühlmöglichkeit der SG-Fischereiwirtschaft für die korrekte Zwischenlagerung und Haltbarkeit sorgte) wurde an einem eigens konstruierten Gestell aufgehängt und an sechs verschiedenen Posten beschossen. So produzierten wir: einen Laufschuss, einen Krellschuss, einen Äserschuss, einen Keulentreffer, einen weichen Treffer und einen sauberen Blattschuss. Es gab sehr eindeutige Pirschzeichen; einzig der Krellschuss sass etwas tief und produzierte so nicht ganz einfach zu beurteilende Pirschzeichen. Zur Demonstration wurde beim Eintreffen der Corona in der KD-Box nach dem Mittag ein weiterer Schuss auf ein Reh abgegeben: Die Hälfte der Anschussfläche wurde vorher mit einem weissen Tuch abgedeckt, die andere Hälfte war mit Gras bewachsen. Es wurde sehr eindrücklich deutlich, wie viel Material bei einem Treffer eigentlich in das Gelände eingetragen wird und was auf der grünen Wiese für das menschliche Auge gar nicht mehr sichtbar ist – für die feine und massiv leistungsfähigere Hundenase eben schon!


Danach teilte sich die Corona in sechs Gruppen auf, denen je einer der zuvor frisch produzierten Anschüsse zugeordnet wurde. Sie erhielten gut eine halbe Stunde Zeit, die Anschüsse gründlich zu untersuchen und eine Beurteilung abzugeben: Treffersitz, Schwere der Nachsuche und welchen Hund es anhand der Beurteilung und unter Berücksichtigung der Theorie vom Morgen bräuchte. Auf einem weissen Blatt Papier wurden dann von den Gruppen die gefundenen Pirschzeichen gesammelt, präsentiert und bewertet. In der Tat war es so, dass sich fünf Treffer recht klar zuordnen liessen, einzig der etwas zu tief angesetzte Krellschuss machte etwas Mühe. Gemeinsam mit einem zusätzlichen Hinweis von Uwe (Schützenbeschreibung: «Stück brach zusammen, lag ca. eine Minute, rappelte sich auf, zog langsam torkelnd davon, mit der Zeit funktionierte der Bewegungsapparat fast wieder normal, bevor es im Wald verschwand») wurde dann schnell auf Krellschuss entschieden.


Abschliessend gab Uwe noch einen Input zur geeigneten Waffenwahl zur Nachsuche; dazu beschossen wir Wasserkanister mit einer .44 Magnum, mit Uwes Urgestein an Nachsuchenrepetierer im Kaliber 9,3x62 und meiner Mauser M12 Trail im Kaliber 8,5x55 Blaser. Die Überlegenheit der beiden Langwaffen wurde eindrücklich und mehr als deutlich sichtbar. Die Energie der beiden Langwaffen übertraf die des auch nicht gerade kleinen Revolvers massgeblich! Nach der letzten Fragerunde verabschiedeten wir die Teilnehmer und dankten Uwe für den kurzweiligen Tag.


Die Örtlichkeit in der hinteren Au, Schwellbrunn, hat sich für eine solche Gruppengrösse absolut bewährt: Kurze Wege, gute Parkmöglichkeiten und die gute Infrastruktur des Militärs (Theoriesaal und Unisex-Toilette) sowie unser Jagdschiessstand passen hervorragend für einen solchen Event.


Nach dem Aufräumen und einem kleinen Bier zur Erfrischung in der Zellersmüli bereiteten Uwe und ich die Fährten für den Nachmittag des Schweisslehrgangs im Stäggelenberg, Herisau, vor: Eine Fährte für den jungen Weimaraner Emilio (ohne jegliche Schweisserfahrung) von Barbara, eine für Christophs Wachtel Loui, eine für den Pointer-Mix Ella von Matthias und eine für meine Weimaranerhündin Domino nach ihrer bestandenen TKJ-500er-Fährte.


Sonntag, 26.04.2026: Schweiss-Lehrgang

Am 26.04.2026 startete der Schweiss-Lehrgang mit 12 teilnehmenden Hundeführern bei uns auf dem Reiterhof Zellersmüli in der Reiterstube, wieder bei Kaffee und Gipfeli und einem ersten Kennenlernen. Schnell ging es um Hunde und Ausrüstung; es wurde gefachsimpelt. Uwe startete wieder mit einer kurzen Vorstellung von sich und der Schweisshundestation und leitete zügig zu den «Grundlagen der Nachsuchenhundeausbildung» über. Er differenzierte eindrücklich den Generalisten vom Spezialisten, zeigte die Grenzen auf und provozierte durchaus mit der einen oder anderen Aussage: So bekamen Retriever, Christophs Wachtel sowie die Weimaraner von Felix, Barbara und mir das eine oder andere Mal ihr «Fett weg» – immer verbunden mit einem schelmischen Augenzwinkern des Führers von «roten Hunden».


Im zweiten Teil des Vormittags widmete er sich dann den «18 Geboten zum Erfolg» und dem «Aufbau von Übungsfährten». Auch am zweiten Tag gelang es Uwe, die Theorie mit hervorragend gewähltem Bild- und Videomaterial innerhalb der Präsentation abzurunden. So hatte er sehr spannende Videos von Sauen stellenden BGS oder seinem Senior bei der Einarbeitung des Youngsters an einer kranken Sau dabei. Nach dem Mittag, wieder mit Bratwurst und Bürli, verschoben wir ins Revier zur Fährtenarbeit. Die Führer stellten vor der Arbeit ihre Hunde und deren Ausbildungsstand kurz der Corona vor.


  • 1. Arbeit (Weimaraner Emilio): Die erste Arbeit war für den jungen Weimaraner von Barbara so angelegt, dass die Gruppe vom Weg aus folgen konnte und das Gespann bei seiner ersten Arbeit nicht gross gestört wurde. Die kurze rote Arbeit absolvierte er grundsätzlich gut, hatte grosses Interesse am Anschuss wie auch an den diversen Gerüchen, die aus den angrenzenden Dickungen kamen. Es wurde deutlich: Er wusste zunächst nicht, was gefordert ist – verständlich für die erste getropfte Fährte. Beide kamen dennoch zügig ans Ziel; für eine erste Arbeit eine solide Leistung.

  • 2. Arbeit (Wachtel Loui): Die zweite Fährte gehörte Christophs Wachtel Loui. Es war seine erste im Fährtenverlauf unbekannte und nicht sichtbar gekennzeichnete Fährte. Da er in fünf Wochen bei seiner 500er-Prüfung startet, fanden wir das angebracht. Nach der Einweisung ins Anschussquadrat und die grobe Fluchtrichtung starteten beide nach kurzer Vorbereitung. Der bereits zwei Saisons bejagte junge Wachtel überlief zunächst den Anschuss bei der Rastersuche im Anschussquadrat, fand und verwies dann aber mit etwas Hilfe sauber. Die folgende Fährtenarbeit war eher durchwachsen und geprägt von Verleitungen. Loui war schwer zu lesen, pendelte viel und hatte eher Jagen im Sinn, was er von den Drückjagden ja kannte – eine absolut selbstbelohnende Tätigkeit, und obendrein noch mit lautem Donnerknall vom Himmel und einem plötzlich noch auf der Fährte auftauchenden, ggf. sogar noch schlegelnden Stück Schalenwild! Das war offensichtlich viel interessanter als die langweilige Fährte. Mit viel Unterstützung schafften es beide dennoch zum Ziel. Hier hat Christoph noch Arbeit mit Loui vor sich; nach Meinung des Experten nicht unrealistisch, aber eine sehr grosse Herausforderung. Also DRAABLIBE! Weitere Unterstützung wurde angeboten.

  • 3. Arbeit (Weimaranerin Domino): Die dritte nicht markierte Fährte gehörte meiner Weimaranerhündin Domino. Mit der bestandenen 500er-Fährte müsste man meinen, dass ich hätte entspannt sein müssen; dennoch war ich nervös ob der vielen Zuschauer, die uns bei der Arbeit begleiten würden. Mit unserem Ritual zu Beginn (Abdocken des Riemens, Anlegen der Signalweste und -halsung) wurde ich ruhiger und fokussierter. Mit einem ruhigen «Such voran und zeig» angesetzt, verwies Domino nach drei Rastergängen im Anschussquadrat den Anschuss mit sauberem Ablegen. Ich meldete den Anschuss und die sichtbaren Pirschzeichen und legte die Hündin mit dem Kommando «Such verwund» zur Fährte. In der Folge zeigte Domino eine perfekte, konzentrierte Riemenarbeit. Bei optimalen Bedingungen konnte ich im Fährtenverlauf sehr regelmässig Schweiss melden; wir fanden ebenfalls das Wundbett und kamen nach sehr schnellen 10 Minuten am Ziel der 500er-Fährte an. Entsprechend fiel die Manöverkritik des Referenten aus: «Nichts zu ergänzen, besser hätte das mein Quequeck auch nicht machen können.» Das von einem waschechten, versierten Schweisshundeführer zu hören, war für mich ein Gänsehautmoment – fast ein Ritterschlag!

  • 4. Arbeit (Pointer-Mix Ella): Für die letzte Fährte verschoben wir noch ein Stück weiter ins Revier, und Matthias machte seine Ella sehr routiniert parat. Speditiv verwiesen beide den Anschuss und meldeten den Fund. Spannend: Er nahm eine Angewohnheit vom Mantrailen mit zur Schweissarbeit; er packte Teile des Anschusses in eine Tüte ein, um der Hündin unterwegs wieder den richtigen Duft der zu folgenden Fährte präsentieren zu können. Eher ungewöhnlich für die Schweissarbeit, aber alles, was dem Hund hilft, soll doch versucht werden. Der Abgang vom Anschuss auf die Fährte gestaltete sich zunächst etwas schwierig, die Hündin folgte einer Verleitung. Nach Abruf und neuem Ansetzen fanden beide die Fährte und arbeiteten sie unter Melden von Schweissfunden bis zum ersten Winkel. Dort hatte sie einen «Knopf» und brauchte etwas Zeit, diesen zu lösen. Matthias griff mehrfach zurück und schlussendlich fanden sie den korrekten Verlauf. Der Rest der Fährte war sehr gut bis kurz vor Ende. Hier musste Matthias erneut zurückgreifen, da er das Ende kurz überlief. Ella korrigierte sich und fand das ausgelegte Deckenstück am Ende der ca. 800 m langen Fährte.


SUCHENHEIL allen Gespannen und ein herzliches Dankeschön für das Zur-Verfügung-Stellen für diese Arbeiten vor der grossen Gruppe.


Uwe mahnte im Revier abschliessend die Führer, wie bereits mehrfach im Referat erwähnt, nochmals sehr, sehr früh im Hundeleben mit den (eigentlich langweiligen) Schleppen und Schweissfährten zu beginnen, sollte der Wunsch bestehen, den Fokus auf die rote Arbeit zu legen!


Seine kurzweilige Theorie wurde anschaulich präsentiert, enthielt präzise Ausführungen mit logisch aufgebauten Argumentationsfolgen und war jederzeit plausibel nachvollziehbar. In den Praxisteilen konnte immer wieder die Verbindung zum Theorie-Input hergestellt werden. Berichte von Einsätzen und eindrucksvolle Videos von seinen Arbeiten rundeten die Präsentation ab.


Die Rückmeldung der Teilnehmer war durch die Bank sehr positiv; die eingesetzte Zeit hatte sich gelohnt, jeder hat für sich etwas mitgenommen. Auch Uwe bedankte sich für seine Buchung, lobte die Organisation und Unterbringung sowie die aktive Teilnahme.

Es besteht definitiv Wiederholungsgefahr für 2027! Ideen zur Weiterentwicklung sind bereits vorhanden: Von der eigentlichen Fährtenanlage bis zur Garetten- oder Pendelsau am Ende gibt es weitere äusserst spannende Optionen, diese Themen rund um die Schweissarbeit abwechslungsreich zu bedienen.


Update folgt!


Drei der teilnehmenden Gespanne führen im Juni: Christoph, Felix und Matthias – Euch schon jetzt ein kräftiges Suchenheil und das nötige Quäntchen Suchenglück! In den nächsten Wochen nochmals das Training intensivieren. Ich würde mich sehr freuen, im Bericht der nächsten Hundeübung vom Mittelland zuallererst vom Erfolg der gestarteten AR-Gespanne zu berichten!


Also: DAUMEN DRÜCKEN!!!



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