152 Rehkitze, 1'018 Stunden: Die Rehkitzbergung 2026
Von Ende April bis Anfang Juli waren Jägerinnen und Jäger des Patentjägervereins Appenzell Ausserrhoden im Morgengrauen in den Mähwiesen unterwegs. Mit Drohnen und Wärmebildkameras suchten sie die Wiesen vor dem Schnitt ab und konnten so 152 Rehkitze bergen oder aus den Wiesen vertreiben. Dahinter stecken 1'018 Stunden Freiwilligen-Einsatz.
Die Bilanz dieses Frühsommers
An 24 Einsatztagen zwischen dem 25. April und dem 9. Juli flogen die Drohnenteams 535 Aufträge für 289 Landwirte und suchten dabei rund 2'140 Hektaren ab. Insgesamt wurden 152 Kitze geborgen oder vertrieben, im Vorjahr waren es 120. Zudem erhielten 32 Jungtiere eine Ohrmarke für das Projekt «Rehkitzmarkierung Schweiz», das im Auftrag des Bundes Erkenntnisse über Lebensweise und Wanderverhalten des Rehwilds sammelt.
Getragen wurde die Saison von 75 Beteiligten, die gemeinsam rund 1'018 Stunden aufwendeten, das entspricht etwa einem halbes Arbeitsjahr einer Vollzeitstelle. Die meisten Einsätze fielen in die Tage um Pfingsten. Ein beständiges Hochdruckgebiet liess im ganzen Kanton gleichzeitig mähen, zeitgleich mit der Hauptsetzzeit.
Gut versteckt im hohen Gras
Rehgeissen setzen ihre Kitze bevorzugt in die Deckung hoher Wiesen. In den ersten Lebenswochen suchen die Jungtiere bei Gefahr nicht das Weite, sondern drücken sich reglos ins Gras. Was sie vor Fressfeinden schützt, kann ihnen beim Mähen zum Verhängnis werden. Auch für die Landwirtschaft ist das von Bedeutung: Gelangen Tierkadaver ins Futter, können Nutztiere durch die Verunreinigung gefährdet sein.
Vom Anruf bis zur Bergung
Landwirte melden ihre Wiesen am Vortag bis 16 Uhr bei der Einsatzleitung ihres Bezirks an. In den frühen Morgenstunden, solange der Boden noch kühl ist, überfliegt ein Drohnenteam die Fläche. Auf dem Bildschirm der Wärmebildkamera hebt sich das Kitz als heller Punkt vom Untergrund ab. Der Pilot lotst die Bodenmannschaft heran, die sich dem Jungtier behutsam nähert und es birgt. Nach dem Mähen wird das Kitz wieder freigelassen, damit die Geiss es aufsuchen kann. Für die Landwirte ist diese Dienstleistung kostenlos.
Nach der Saison ist vor der Saison
Seit 2026 liegt die Rehkitzbergung im Kanton in der alleinigen Verantwortung des PJV AR. Die ersten Drohnen aus den Jahren 2022 und 2023 stossen inzwischen an ihre Grenzen, weshalb eine Ersatzlösung in Vorbereitung ist.
Allen Piloten, Koordinatoren, Jägerinnen und Jägern sowie den weiteren Helfern danken wir herzlich für ihren Einsatz. Unser Dank gilt ebenso der Abteilung Natur und Wildtiere, dem Bauernverband AR, den Stiftungen und Sponsoren sowie allen Landwirten für die gute Zusammenarbeit.
Quelle: Bericht «Rehkitzbergung in Appenzell Ausserrhoden 2026» des Kantonalen Hegeobmanns Felix Eberhard vom Oktober 2026.



